Die „Ich habe einen Traum“-Rede von Dr. Martin Luther King Jr. gehört zu den bekanntesten Ansprachen der US-Geschichte. Diese Botschaft brauchen wir im Jahr 2020 genauso wie 1963, als sie gehalten wurde. Aber wenn du schätzen müsstest, wie lang diese berühmte Rede war, die vor rund 250.000 Menschen gehalten wurde, was würdest du tippen?
17 Minuten. Diese beeindruckende Rede dauerte weniger als 20 Minuten. Die meisten heutigen TED-Talks (bei einer TEDx-Veranstaltung werden aufgezeichnete Reden und Live-Redner/innen kombiniert, um eine Grundlage für ausführliche Diskussionen zu schaffen) liegen zwischen 10 und 18 Minuten. Was steckt dahinter?
Auch wenn es keine einzig richtige Länge oder Struktur gibt, nutzen große Redner/innen bestimmte Strategien. Da viele Präsentationen ungefähr 30 Minuten dauern, haben wir 5 Ansätze entwickelt, wie du eine typische 30-minütige Präsentation planen kannst. Sie reichen von 3 bis 7 Segmenten. Segmente sind Einheiten der Aufmerksamkeit für dein Publikum. Mit jedem Segment gibst du den Zuhörenden die Möglichkeit, sich neu zu orientieren und wieder zu fokussieren.
Option 1: 3 Segmente
- 5-minütige Einführung
- Körper 20 Minuten
- 5-minütiges Outro
Diese Variante ist wahrscheinlich das bekannteste Format: eine Einleitung, ein Hauptteil und ein Outro oder Schluss. Du wirst feststellen, dass in unseren Plänen kein Abschnitt länger als 20 Minuten ist. Das hat einen Grund. Untersuchungen zeigen, dass die meisten Menschen etwa 18 Minuten konzentriert zuhören können, bevor sie innerlich abschalten. Tatsächlich erlaubt die TED-Organisation niemandem (egal wie berühmt), länger als 18 Minuten zu sprechen. Andere meinen, dass du durchaus 20 Minuten lang über ein Thema sprechen kannst, aber nicht länger. Nach 20 Minuten brauchen die Zuhörerinnen und Zuhörer eine Abwechslung, eine Überleitung oder etwas anderes, das ihre Aufmerksamkeitsspanne wieder anregt.
Option 2: 4 Segmente
- 5-minütige Einführung
- Körper 15 Minuten
- 5-minütiges Outro
- 10-minütige Diskussion
Bei dieser Option wird rund ein Drittel der gesamten Präsentationszeit für die direkte Einbindung des Publikums genutzt. Die Präsentation wird auf ein kurzes Intro, eine 15-minütige Kernbotschaft und ein knappes Fazit verdichtet, bevor 10 Minuten für die Beteiligung des Publikums reserviert sind. Wie du die 10-minütige Diskussionsphase gestaltest, liegt bei dir. Du könntest diese Zeit für eine klassische Frage- und Antwortrunde nutzen, in der du das Wort für Fragen freigibst. Du kannst die 10 Minuten aber auch verwenden, um die Zuhörer/innen in Kleingruppen über den Inhalt deiner Präsentation sprechen zu lassen.
Option 3: 5 Abschnitte
- 5-Minuten Einleitung
- 10-Minuten Punkt 1
- 3-Minuten-Übergang
- 10-Minuten Punkt 2
- 5-Minuten-Outro
Diese Option passt gut, wenn du deinem Publikum zwei zentrale Punkte vermitteln möchtest. Tappe nicht in die Falle zu glauben, jede Präsentation müsse 3 Hauptpunkte haben. Das ist nicht nötig. Diese Vorstellung stammt wahrscheinlich noch aus der Zeit, als wir das 5-Paragraphen-Aufsatzformat gelernt haben, um eine klare Botschaft zu strukturieren. Wenn du dieses Format nutzt, achte besonders auf den 3-Minuten-Übergang, vor allem wenn die Punkte 1 und 2 inhaltlich schwer oder anspruchsvoll sind. Diese kurze „Denkpause“ gibt deinen Zuhörenden die Chance, kurz durchzuatmen, bevor sie sich wieder auf den intensiveren Inhalt einlassen.
Option 4: 6 Segmente
- 2-Minuten-Intro
- 8-Minuten Punkt 1
- 5-Minuten Gruppendiskussion
- 2-Minuten-Übergang
- 8-Minuten Punkt 2
- 5-Minuten Gruppendiskussion
Diese Option umfasst 6 Segmente und eignet sich gut, wenn du lieber mehrere kurze Inputphasen mit anschließenden Gruppengesprächen kombinierst. Bei dieser Variante verlangst du von den Zuhörenden nicht, dir länger als 10 Minuten am Stück zuzuhören. Und durch die häufigen Übergänge zwischen den Abschnitten fällt es leichter, das Publikum aufmerksam zu halten, als bei einer Präsentation, in der du die gesamten 30 Minuten durchgehend redest.
Option 5: 7 Segmente
- 2-minütige Einführung
- Punkt 1 von 8 Minuten
- 1 Minute Übergang
- 8-minütiges Segment 2
- 1-minütiger Übergang
- Punkt 3 von 8 Minuten
- 2-Minuten-Outro
Diese Option passt am besten zu dir, wenn du unbedingt 3 Punkte abdecken musst. Der Hauptinhalt wird in drei 8-minütige Blöcke aufgeteilt, zwischen denen jeweils Übergänge eingefügt werden. Wichtig ist, dass sich diese Übergänge klar vom Inhalt deiner Punkte unterscheiden. Sie sollen auffallen und sich wie eine kurze Pause anfühlen. Du könntest diese Übergänge nutzen, um deine Zuhörer/innen zum Lachen zu bringen, sie zum Handheben zu animieren oder Präsentationsmedien wie kurze Videoclips einzusetzen, damit sie eine kleine Pause vom Zuhören bekommen. Die Präsentation wirkt schnell eintönig, wenn dein Publikum nicht alle 7 verschiedenen Abschnitte bewusst wahrnimmt und spürt.
Du kannst diese Optionen als Vorlagen verwenden und sie an die Anforderungen deines Präsentationskontextes und deines Publikums anpassen. Achte nur darauf, dass du die Inhalte so strukturierst, dass du deine Zuhörer nicht länger als 20 Minuten am Stück mit demselben Thema beanspruchst.
















